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Der Wunsch der Magdeburger Wirtschaft, ein leistungsfähiges Versicherungsunternehmen zur Verfügung zu haben, bei dem sie Versicherungsschutz gegen Feuerschäden finden konnten, führte zur Gründung der Magdeburger Feuerversicherungsgesellschaft.

Die Feuersozietäten - als öffentlich-rechtliche Versicherungen - konnten aus nachfolgenden Gründen keine Partner der Wirtschaft sein: große Anzahl kleiner Anstalten mit räumlich eng begrenzte Zuständigkeitsbereiche

  • wenig leistungsfähig
  • an die alten und längst überholten Formen der merkantilistischen [Wirtschaftssystem des Absolutismus 16./18. Jh. mit dem Ziel, den Außenhandel und damit die Industrie zu fördern] Wirtschaftsweise des 18. Jahrhunderts gebunden
  • Versicherung nur von Gebäuden, nicht aber für den Inhalt.

Die Magdeburger Kaufmannschaft war deshalb an der Schaffung eines neuen Versicherungsunternehmens interessiert. Im Jahr 1838 wurde eine dreiköpfige Kommission - zwei Magdeburger Kaufleute und Friedrich Knoblauch - mit den "erforderlichen Einleitungen" beauftragt. Knoblauch war in Magdeburg kein Unbekannter, als 33-jähriger war er bereits ins Direktorium der Wasser-Assekuranz-Compagnie gewählt wurden. Auch ins Collegium der "Ältesten der Kaufmannschaft" (später als Industrie- und Handelskammer bezeichnet) war er einstimmig gewählt wurden.

Die Analysen von deutschen und englischen Gesellschaften umfassten auch verschieden Großbrände. Besonders der große Hamburger Brand im Jahre 1842 zeigte das Versicherungs-Aktiengesellschaften wie z. B. die Colonia und die Aachener und Münchener ihren Verbindlichkeiten im vollem Umfang gerecht werden konnten, während die Gegenseitigkeits-Gesellschaften, mit Ausnahme der Gothaer Feuerversicherungsbank, ungenügende kapitalmäßige Grundlagen aufwiesen.

Die Ältesten der Kaufmannschaft erließen am 14. Dezember 1842 eine "Aufforderung zur Aktienzeichnung behufs Errichtung einer Feuer Assekuranz Compagnie", die nicht auf Gegenseitigkeit, sondern lediglich auf Aktien errichtet werden sollte. Bereits am 27. März 1843 wurde auf der Versammlung der Aktienzeichner ein Gesellschaftsstatut, die Instruktionen für die Direktion und die Versicherungsbedingungen vorgelegt und auf einer neuen Versammlung am 15. Mai 1843 erfolgte die Wahl der Direktion.

Gewählt wurden:

Kaufmann Stadtrat Friedrich Leopold Loesner

Kaufmann Johann Christian Brückner

Kaufmann Carl Jacob Eduard Ursinus

Kaufmann Kommerzienrat [Carl Schultze] und

Kaufmann Friedrich Wilhelm Dihm jun.

Am 2. September 1844, nach Eintreffen der Königlichen Genehmigung, wurde eine neue Generalversammlung einberufen. Für den ausgeschiedenen Kaufmann Ursinus trat Kaufmann M. Schubart in die Direktion ein. Der 2. September 1844 gilt als der eigentliche Geburtstage der Magdeburger Feuerversicherungs-Gesellschaft, weil diese Generalversammlung die erste nach königlicher Bestätigung des Statuts und damit die erste war die in der Lage war Beschlüsse, die die Grundlage eines rechtswirksamen Handelns darstellte, zu erlassen. Mit Schreiben vom 16. November 1844 erhielt die Direktion von der Regierung das denkwürdige Schreiben: "Einer Wohllöblichen Direktion der Magdeburger Feuer-Versicherungs-Gesellschaft ertheilen wir hierdurch die Erlaubnis, den Betrieb der von Ihnen vertretenen Gesellschaft zu beginnen und Versicherungen zu übernehmen."

In den hiesigen Zeitungen wurde entsprechende Inserate mit folgenden Wortlaut angezeigt:

"Die Magdeburger Feuerversicherungs-Gesellschaft, Geschäftslocal am Domplatz Nr. 4, übernimmt von heute an, nachdem ihr von Seiten der Königlichen Hochlöblichen Regierung in Folge der nachgewiesenen Einzahlung ihres Grund-Capitals die Erlaubnis zur Eröffnung des Geschäftes ertheilt worden ist, Versicherungen gegen Feuersgefahr auf Mobilien und Immobilien aller Art, hier und in der Umgegend, zu billigen Prämien auf die Dauer von einem Monat bis zu zehn Jahren, was wir hierdurch zur öffentlichen Kenntniß zu bringen uns begehren und zu recht häufiger Benutzung dieses vaterländischen Instituts ergebenst einladen. Magdeburg, den 19. November 1844. M. Schubart, functionirender Director, Friedr. Knoblauch, Generalagent der Magdeburger Feuerversicherungs-Gesellschaft."

Erster Versicherungsnehmer war Kaufmann Stadtrat Loesner selbst, der sein Mobiliar mit 4000 Talern in Feuerversicherung gab. Am 3. Dezember 1844 wurde bereits die als erste die Zuckerfabrik von Baumann & Maquet in Buckau versichert. Das preußische Gesetz vom 8. Mai 1837 hatte die Zulassungspflicht für Versicherungsagenten eingeführt. Versuche die Geschäftsbereiche zu vergrößern gestalteten sich sehr schwierig. Eine Reihe von preußischen Regierungen, insbesondere im Regierungsbezirk Merseburg, verweigerte die Zulassung mit der Begründung, dass schon genug andere Agenten zugelassen seien. Auch außerpreußische Länder bevorzugten einheimische Versicherungen und ließen fremde Versicherungen nur zu wenn dringender Bedarf bestand. Trotz der Schwierigkeiten machte sich eine Vergrößerung der Verwaltung und damit der Kauf des Tegtmeyersche Grundstückes im Breiten Weg 24 erforderlich.

Die Jahre 1847 und 1848 brachten eine Krise, die der Gesellschaft leicht hätte gefährlich werden können. Das Hungerjahr 1847 brachte neben der allgemeinen Not auch eine ungewöhnlich Zunahme von Brandschäden, die der Gesellschaft erhebliche Verluste einbrachten und Einnahmen sowie Reservefonds aufbrauchten. Im Geschäftsjahr 1848 kam es auf Grund verschiedener Vorwürfe zum Rücktritt von vier der fünf Direktoren (lediglich Schubart blieb im Amt).

Im Jahr 1855 konnte der gesamte Bestand der "Borussia" (in Königsberg i. Pr. gegründete Privatversicherung, die später ihren Sitz nach Berlin verlegt hatte) übernommen werden. Bereits Ende 1859 war die Magdeburger Feuerversicherungs-Gesellschaft (von Österreich, Bayern, Württemberg und Nassau abgesehen) in ganz Deutschland vertreten.

In einer schwierigen Lage befanden sich die Zuckerfabriken, da sie wegen der großen Schadensmöglichkeiten von den Versicherungsgesellschaften gemieden oder Verträge nur unter erschwerten Bedingungen gegen hohe Prämien abgeschlossen wurden. In Kenntnis dieser Lage wurde ein "Versicherungsverband für Rübenzuckerfabriken" ins Leben gerufen. Vertraglich wurde am 15. Juni 1850 die Magdeburger Feuerversicherungs-Gesellschaft als Geschäftsführerin des sonst selbstständigen Verbandes eingesetzt und Personal sowie Einrichtungen zur Verfügung gestellt. Vom Grundsatz her wurde dieser Vertrag Muster für den "Versicherungsverband der Mühlenbesitzer" und wurde später auch von anderen Gesellschaften übernommen.

Mit der Industrialisierung Deutschland musste sich zwangsweise auch das Versicherungswesen an die neuen Erfordernisse anpassen. Im Gegensatz zu den Grundsätzen der gegenseitigen Unterstützung waren für die Industrie mit ihren schweren Risiken und hohen Werten

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